Wiederholte Fehlgeburten aus Sicht der TCM
Wiederholte Fehlgeburten – sogenannte habituelle Aborte – sind für viele Frauen und Paare eine belastende Erfahrung. Jede neue Schwangerschaft ist häufig mit Hoffnung verbunden, gleichzeitig können vorausgegangene Verluste zu Verunsicherung führen und körperliche wie seelische Spuren hinterlassen.
Nach mehreren Fehlgeburten stellt sich oft die Frage nach den Ursachen. Trotz sorgfältiger schulmedizinischer Diagnostik lässt sich diese jedoch nicht in allen Fällen eindeutig klären.
Mehr als nur eine Diagnose
In der TCM steht nicht allein der Befund im Vordergrund, sondern die ganzheitliche Betrachtung des Menschen. Dabei werden individuelle körperliche Voraussetzungen, Lebensumstände und Belastungsfaktoren einbezogen.
Wiederholte Fehlgeburten werden als Hinweis auf ein mögliches inneres Ungleichgewicht verstanden. Typische Muster können dabei sein:
- Eine verminderte Stabilität und Kraft, häufig im Zusammenhang mit einer Schwäche der Nierenenergie, die in der TCM eine zentrale Rolle für die Fortpflanzung spielt.
- Ein Mangel an Qi und Blut, wodurch die Versorgung des Körpers und der Gebärmutter eingeschränkt sein kann.
- Innere Anspannung oder Stress, die den freien Fluss der Energie (Qi und Blut Stagnation) beeinträchtigen können.
- Kälte im Organismus, die sich ungünstig auf die Gebärmutter auswirken kann.
Behandlung auf mehreren Ebenen
Die Therapie in der TCM erfolgt individuell und orientiert sich an der jeweiligen Ausgangssituation. Grundlage ist eine ausführliche Anamnese, bei der nicht nur die Diagnose, sondern auch die persönliche Vorgeschichte berücksichtigt wird.
- Akupunktur kann dazu beitragen, funktionelle Abläufe zu regulieren und das Gleichgewicht im Körper zu unterstützen.
- Chinesische Kräutertherapie wird gezielt eingesetzt, um Defizite auszugleichen und regulierend auf das Energiesystem zu wirken.
- Begleitende Maßnahmen, wie Anpassungen im Lebensstil oder Stressreduktion, können die Behandlung sinnvoll ergänzen.
Vorbereitung auf eine neue Schwangerschaft
In der TCM wird eine Schwangerschaft häufig als Prozess verstanden, der vorbereitet werden kann. Eine gezielte Behandlungsphase vor einer erneuten Schwangerschaft kann dazu dienen, den Körper zu stärken und bestehende Ungleichgewichte zu regulieren.
Auch während der Schwangerschaft ist eine begleitende Behandlung möglich, um die Stabilität zu unterstützen.
TCM in Kombination mit der Schulmedizin
Blutgerinnung checken lassen
Blutgerinnungsstörungen können eine mögliche Ursache für wiederholte Fehlgeburten sein. Besonders dann, wenn es zu frühen Schwangerschaftsverlusten oder Einnistungsstörungen kommt, sollte auch die Blutgerinnung genauer untersucht werden.
Eine intakte Durchblutung ist entscheidend für die Einnistung und Versorgung des Embryos. Bei einer erhöhten Gerinnungsneigung kann es zu Mikrothrombosen in den feinen Gefäßen der Gebärmutter oder Plazenta kommen. Dadurch kann die Versorgung beeinträchtigt werden, was das Risiko für Fehlgeburten erhöhen kann.
Nicht jede Gerinnungsstörung führt zwangsläufig zu Komplikationen – dennoch ist eine individuelle Abklärung sinnvoll, insbesondere bei wiederholten Fehlgeburten.
Man unterscheidet angeborene und erworbene Gerinnungsstörungen:
- Angeborenen Gerinnungsstörungen (z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation)
- Erworbenen Gerinnungsstörungen (z. B. Antiphospholipid-Syndrom)
Bei diagnostizierten Blutgerinnungsstörungen ist die schulmedizinische Behandlung – beispielsweise mit gerinnungshemmenden Medikamenten wie ASS oder Heparin – ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Die TCM kann hier ergänzend eingesetzt werden, um die Durchblutung zu unterstützen und das innere Gleichgewicht zu fördern.
Eine enge Abstimmung zwischen den behandelnden Fachrichtungen ist dabei besonders wichtig.
Copyright: Katja Schenk