Chinesische Diätetik


Die chinesische Diätetik beruht wie die Akupunktur und Arzneimitteltherapie auf den Lehren der TCM. 
Durch das Qi der Nahrung (Gu-Qi) und dem Qi der Atemluft (Da-Qi) wird im Körper das Qi des Körpers gebildet, welche für alle lebenswichtigen Vorgänge benötigt wird. Auch die Bildung von Blut, Körperflüssigkeiten und dem Jing (nachgeburtliche Energie) ist unter anderem von der Qualität der Nahrung abhängig. 
In der TCM werden Nahrungsmittel aufgrund ihres Geschmacks (süß, sauer, bitter, salzig und scharf), ihrer Thermik (warm, heiß, neutral, kalt) ihres Bezuges zum Funktionskreis (Organ) und hinsichtlich ihrer Wirkrichtung unterteilt. Die Chinesen sehen die Ernährung als Medizin an. 
Man ist schließlich, was man ißt. 

Geschmack

Die chinesische Medizin unterscheidet zwei Aspekte des Geschmacks: Den subjektiven Geschmack (sensorischen Geschmack) und den sogenannten funktionalen Geschmack. Letzterer bezieht sich auf die Wirkung, die das Nahrungsmittel auf den Körper hat. 
   

Der süße Geschmack

Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Reis, Brot und viele Gemüsesorten haben einen süßen Geschmack. Sie stärken das Qi der Mitte - das sogenannte Milz- und Magen-Qi, sie befeuchten und harmonisieren und sorgen für eine Entspannung von gestautem Qi der Leber. 
Die zugehörige Wandlungsphase ist die Erde. 

Der scharfe Geschmack

Scharfes wird auf der Zunge sowohl als beißend oder brennend wahrgenommen. Zwiebel- und Laucharten, Ingwer, Meerrettich, Radieschen, viele Gewürze (Kardamon, Majoran, Muskat, Paprika, Chilli, Pfeffer) sind dieser Geschmacksrichtung zugeordnet. 
 Die Wirkung des scharfen Geschmacks ist dynamisch und entfaltet das Qi. Es hilft Blockaden und Ansammlungen von Schleim und Feuchtigekit oder stagniertem Leber-Qi zu mobilisieren. Zusätzlich öffnet Scharfes die Oberfläche und kann damit Schwitzen fördern, um eingedrungene pathogene Faktoren über die Haut auszuscheiden. Die entsprechende Wandlungsphase ist Metall. 

Der salzige Geschmack

Es gibt nur wenige Nahrungsmittel, außer dem Salz selbst, die einen salzigen Geschmack haben. Dazu gehören Algen, Sojasauce, Krabben. Der salzige Geschmack entspricht der Wandlungsphase Wasser und ist dem Funktionskreis der Niere und Blase zugeordnet, welcher in adäquater Menge die Knochen und Zähne festigt. In konzentrierter Form wirkt salzig laxierend und Blockaden erweichend. 

Der saure Geschmack

Die meisten sauren Nahrungsmittel sind einheimische Obstsorten, die im Sommer oder Herbst reif sind, sowie Südfrüchte. Sauer wirkt adstringierend (zusammenziehend) und bewahrt die Körpersäfte. Der saurer Geschmack entspricht der Wandlungspahse Holz. Seine zusammenziehende Qualität verhält sich zur dynamischen Holz-Energie entgegengesetzt. Zuviel saure Lebensmittel können zu Stagnationen führen.    

Der bittere Geschmack

Bittere Nahrungsmittel wirken abführend, bzw. absenkend und regen dabei die Verdauung an. Viele Grundnahrungsmittel enthalten Bitterstoffe, die jedoch nach dem Kochen von anderen Geschmäckern überlagert werden. Bitterstoffe wirken appetitanregend, den gallenflussfördernd, magenstärkend und blähungtreibend. Der bittere Geschmack hat zusätzlich eine trocknende Wirkung. Insbesondere Kaffee und Tee soll bei einem Yin-Mangel nur in Maßen getrunken werden. 
Der bittere Geschmack entspricht der Wandlungsphase Feuer. Viele Gewürze (Bohnenkraut, Estragon. Salbei, Thymian), Chicoree, Romanasalat, Rosenkohl, Spargel und Zucchini haben einen bitteren Geschmack und haben eine tonisierende Wirkung auf das Herz-Qi. 

Temperaturverhalten

Nahrungsmittel werden in der TCM aufgrund ihrer Thermik unterschieden. Es gibt kalte, neutrale, warme und heiße Nahrungsmittel. 
Je nach Konstituion (Yin oder Yang) sollten in der Ernährung eher warme oder kalte-neutrale Nahrungsmittel gewählt werden. 
Grundsätzlich gilt, dass man nicht zu kalte oder zu warme (heiße) Nahrungsmittel zu sich nehmen soll, sondern mehr über die "Mitte" aus dem neutralem, leicht warmen oder leicht kaltem Spektrum wählen soll. Kalte Nahrungsmittel kühlen Hitze-Zustände und fördern das Yin. Neutrale Lebensmittel wirken ausgleichend und regulieren die sogenannte Mitte. Warme und heiße Nahrungsmittel hingegen tonisieren das Yang der Milz, des Herzens und der Nieren. 

Ernährungsfehler

Es gibt sehr viele Ratgeber, wie eine gesunde Ernährung auszusehen hat. Da verliert man schnell mal die Übersicht. Die chinesische Diätetik baut auf dem Modell der TCM auf und hat sich schon über Jahrhunderte bewährt. Die häufigsten Ernährungsfehler aus Sicht der TCM sind folgende:

- unregelmäßiges Essen 
- zu schnelles Essen
- zu spätes Essen 
- Hauptmahlzeit am Abend 
- Essen in angespannter Atmosphäre 
- Fast Food 
- zu viel Rohkost 
- zu selten warmes Essen
- zu viel Milchprodukte
- als Veganer/ Vegetarier zu wenig Hülsenfrüchte